Wie lassen sich Stromnetze optimal nutzen, ohne teure Ausbaukosten? Im BMWE-Verbundprojekt FlexNet Haßfurt untersucht ein Team der Universität Passau unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Hermann de Meer, wie dynamische Netzentgelte zur effizienten Nutzung des Stromnetzes anregen können. Die OTH Regensburg koordiniert das Verbundprojekt.
Wenn es im Stromnetz zu Engpässen kommt, greifen Netzbetreiber kurzfristig ein, etwa indem sie Windräder drosseln oder Gaskraftwerke hochfahren. Das kostet Geld. Allein im Jahr 2024 fielen der Bundesnetzagentur zufolge 2,8 Milliarden Euro für solche Notfallmaßnahmen an – die Kosten tragen am Ende die Verbraucherinnen und Verbraucher über ihre Stromrechnung. Das Forschungsprojekt FlexNet Haßfurt verfolgt einen alternativen Ansatz: Dynamische Netzentgelte sollen Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Einspeisende dazu motivieren, Strom dann zu nutzen, wenn das Netz weniger belastet ist.
Netzentgelte, die mitdenken
„Statt auf direkte Eingriffe zu setzen, schaffen wir mit dynamischen Netzentgelten Anreize für eine intelligente Lastverteilung“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Hermann de Meer, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik mit Schwerpunkt Rechnernetze und Rechnerkommunikation an der Universität Passau. „Das kann die Versorgungssicherheit erhöhen, ohne dass das Netz ausgebaut werden muss.“ Das Passauer Team um den Informatiker ist an dem Verbundprojekt FlexNet Haßfurt beteiligt, das Prof. Dr.-Ing. Oliver Brückl von der OTH Regensburg koordiniert. Es entwickelt als Teil des Projektkonsortiums Modelle, um diese Flexibilitätspotentiale zu berechnen und in der Netzplanung zu berücksichtigen.
Die Forschenden nehmen dazu gesicherte und ungesicherte Flexibilitätspotentiale in den Blick. Gesicherte Potentiale sind vertraglich zugesichert, zum Beispiel, wenn ein Industriebetrieb seinen Stromverbrauch reduziert, weil er dafür vergütet wird. Ungesicherte Flexibilitätspotentiale beruhen auf freiwilligem Verhalten, etwa wenn Konsumierende und Einspeisende ihren Stromverbrauch verschieben, weil dynamische Netzentgelte günstigere Zeiten signalisieren. Das Team der Universität Passau untersucht, wie sich der Einsatz beider Formen im Stromnetz optimieren lässt.
Die Berechnungen sollen auch die Wechselwirkungen von dynamischen Netzentgelten und dynamischen Strompreisen berücksichtigen. Denn Markt und Netz arbeiten manchmal gegeneinander. Billige Strompreise können zu Netzüberlastungen führen, wenn viele gleichzeitig günstig laden. Die Forschenden haben sich zum Ziel gesetzt, Modelle zu entwickeln, die Netzentgelte und Strompreise intelligent verknüpfen, so dass Verbrauchende und Einspeisende den Anreiz haben, sich sowohl nach dem Markt als auch der Netzstabilität zu richten.
Von der Theorie in die Praxis
Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, dynamische Netzentgelte als Instrument zur flexiblen Steuerung von sektorgekoppelten Energieanlagen praxistauglich zu machen. Das Projekt durchläuft mehrere Stufen: von der theoretischen Modellierung bis zum Praxistext im Netzgebiet des Stadtwerks Haßfurt. „So entsteht eine Grundlage für künftige regulatorische und technische Umsetzungen. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Automatisierung und Vernetzung im Stromnetz“, sagt Prof. Dr.-Ing. de Meer.
FlexNet Haßfurt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) mit 2,2 Millionen Euro gefördert (Förderkennzeichen 03EI6144B). Davon gehen knapp 600 000 Euro an die Universität Passau. Das Projektkonsortium, das die OTH Regensburg koordiniert, vereint Expertise aus Wissenschaft und Praxis. Es umfasst neben der Universität Passau das Institut für Energietechnik IfE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden, die Stiftung Umweltenergierecht, das Stadtwerk Haßfurt, die TTTech Deutschland GmbH sowie mehrere assoziierte Partner wie beispielsweise die Bayernwerk Netz GmbH.
Mehr Informationen:
Symbolfoto: Adobe Stock
| Projektleitung an der Universität Passau | Prof. Dr. Hermann de Meer (Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Rechnernetze und Rechnerkommunikation) |
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| Laufzeit | 01.10.2025 - 30.09.2028 |
| Mittelgeber |
BMWE - Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
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| Projektnummer | 03EI6144B |
| Themenfelder | Informatik, Informatik allgemein, Angewandte Informatik, Informatik |
| Förderhinweis |
Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages unter dem Förderkennzeichen 03EI6144B. |